Wissenswertes rund um die Nidda

Steckbrief

Von der Quelle im Vogelsberg bis zur Mündung in den Main bei Frankfurt-Höchst durchquert die Nidda auf ihrer ungefähr 90 km langen Fließstrecke die Wetterau und wird dabei von mehreren Nebenflüssen gespeist. Zu den größeren Zuflüssen gehören Horloff, Wetter (mit der Usa als Nebengewässer) und Nidder. Die Landschaft am Fluss ist stark durch den Menschen geprägt. In dem fast 2000 km² großen Gebiet werden viele Flächen für den Ackerbau oder als Weideland genutzt, außerdem finden sich dort viele Städte und Gemeinden.Infos zur Nidda und ihren Nebenflüssen gibt's hier:

Nidda, der Fluss (Stadt Frankfurt)

Nidda (Fluss) (Wikipedia)

 

Geschichte

Die Nidda ist ein Fluss mit einer bewegten Geschichte! Bereits die Römer nutzten den Fluss für den Transport von Waren. In den letzten 100 Jahren hat sich das Gesicht des Flusses stark geändert. Durch mehrere Regulierungen in den 1920er und 1960er Jahren ist der Fluss an vielen Abschnitten zu einem Kanal geworden, begleitet von einem Schwund an Flora und Fauna. Seit den 1990er Jahren wird versucht, die Nidda wieder in einen naturnahen Zustand zu bringen (siehe auch Renaturierung).

Hier finden sich die wichtigsten Infos zur Geschichte:

Ausbau der Nidda im Stadtgebiet von Frankfurt am Main (Stadtentwässerung Frankfurt)

Zur Geschichte und Renaturierung der Nidda von Gottfried Lehr (Bachpatenschaftsgruppe Nidda, ASV 53/67 e.V.)

Chronik des Wasserverbands Nidda

Nidda, der Fluss (Stadt Frankfurt)

Nida (römische Stadt) (Wikipedia)

Geschichten rund ums Vogelsberger Wasser (Naturpark Hoher Vogelsberg)

 

Renaturierung

Im Zuge der Regulierung in den 1920er und 1960er Jahren wurde die Nidda von ihren Auen und Nebenarmen abgetrennt und fast durchgängig ein geradliniges Kanalbett ohne Böschungsbepflanzung mit mehreren Wehren geschaffen. Dadurch wurde vielen Tieren und Pflanzen ihr Lebensraum genommen. Die negativen Auswirkungen auf das Ökosystem, wie z.B. der Verlust an Artenreichtum oder eingeschränkte Selbstreinigungskraft des Wassers, sind seit längerem bekannt. Inzwischen zeigen Gewässerschutz und Renaturierungsmaßnahmen Erfolge: Bedrohte Tiere und Pflanzen kehren zurück, so sind z.B. die europäische Sumpfschildkröte, der Biber und der Eisvogel wieder an der Nidda anzutreffen.

Mehr dazu gibt´s in den folgenden Links:

Die Nidda (BUND)

Umbau der Wehre (Stadtentwässerung Frankfurt)

Renaturierung (Wasserverband Nidda)

Flussgebietsgemeinschaft Rhein

 

Hochwasser

Bis 1959 gehörte das Nidda-Gebiet  zu den am stärksten von Hochwasser betroffenen Regionen in Hessen.  Die Regulierung der Nidda hatte daher vor allem das Ziel, die Abflussleistung zu erhöhen und den Fluss hochwasserfrei auszubauen.  Auch heute noch kommt es vereinzelt zu Überschwemmungen mit zum Teil hohen wirtschaftlichen Schäden. Die aktuelle Renaturierung der Nidda schließt den Hochwasserschutz nicht aus -  im Gegenteil: die Renaturierung kann den Hochwasserschutz sogar begünstigen.

Infos rund um Hochwasser in Hessen und an der Nidda:

Flutwelle schießt durch Wallernhausen (Frankfurter Rundschau online, 15.07.2014)

Hochwasser-Portal Hessen (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)

Internetportal zum Hochwasserrisikomanagementplan Nidda (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)

 

Wasserrahmenrichtlinie

Im Jahr 2000 beschloss die EU die Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL), die die europäische Wasserpolitik vereinheitlicht und den Gewässerschutz stärken soll. Ziel ist es, die Gewässer innerhalb der EU ökologischer umzugestalten, gute Wasserqualitäten zu erreichen und dabei die Öffentlichkeit einzubeziehen. Hierfür stellt die Richtlinie Wasserqualitätsziele auf und gibt Methoden an, wie diese erreicht werden können. Zur Umsetzung und Erreichung der Ziele erstellt jedes Mitgliedsland regelmäßig Maßnahmenprogramme und Bewirtschaftungspläne für die entsprechenden Flussgebiete, die öffentlich eingesehen werden können.  

Infos zur Wasserrahmenrichtlinie und zum Bewirtschaftungsplan in Hessen:

WRRL in der Datenbank zu Rechtsvorschriften der EU

WRRL (Hessisches Landesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) 

Flussgebiete in Hessen inkl. Bewirtschaftungsplan Hessen (Hessisches Landesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)

WRRL beim Nabu

Zwischenbilanz zur Umsetzung der EU-WRRL (UBA 2012)

 

Ökosystem Fluss

Flüsse und Bäche sind Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten. Abhängig von Fließgeschwindigkeit, Temperatur, Sauerstoff- und Nährstoffgehalt bietet ein Gewässer unterschiedliche  Habitate für typische Lebensgemeinschaften, die sich aus verschiedenen Organismen zusammensetzen. Neben vielen Fischarten, deren jeweiliger Lebensraum in der Limnologie teilweise sogar namensgebend für die verschiedenen Flussabschnitte ist,  beherbergt ein Fließgewässer auch Muschel- und Krebsarten sowie zahlreiche andere Kleinstlebewesen. Jeder dieser Organismen übernimmt wichtige Aufgaben im Ökosystem, so spielen Muscheln z.B. bei der Selbstreinigungskraft eines Gewässers eine wichtige Rolle. Aber nicht nur das Gewässer selbst, sondern auch die Flussaue ist Habitat vieler Lebensgemeinschaften. Zudem bieten Auen einen natürlichen Hochwasserschutz.

Mehr zum Ökosystem Fluss und speziell zur Ökologie der Nidda gibt's hier:

Ökologische Bedeutung naturnaher Gewässerlandschaften (Deutsche Umwelthilfe)

Biodiversität in Fließgewässern (Merkblatt-Sammlung Wasserbau und Ökologie)

Niddaauen (Stadt Frankfurt)

Anforderungen der Leitfischarten hessischer Fließgewässer an Laichhabitate (Literaturstudie, HLNUG)

 

Wasserqualität

Die Wasserqualität eines Flusses ist entscheidend für die Funktionalität eines aquatischen Ökosystems. In den 1960er Jahren war die Nidda so verschmutzt, dass man teilweise von einem toten Fluss sprach. Gewässerverschmutzung und Umweltprobleme halten bis heute an. Die Belastungen durch diffuse (Müll und Landwirtschaft) und punktuelle (Kläranlagen, Industrie) Quellen sind zwar partiell zurückgegangen, dennoch bedarf es weiterer Maßnahmen. Im Zuge der Europäischen Wasserrahmrichtlinie gibt es nun verbindliche Qualitätsziele. Bei der Bewertung der Gewässergüte spielen chemische und biologische Indikatoren eine Rolle. Ein kontinuierliches Monitoring zeichnet die Schwankungen und Entwicklungstendenzen der einzelnen Indikatoren auf.

Wasserwirtschaft in Deutschland - Gewässergüte (UBA 2013)

Positionspapier zur Einführung einer vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen (UBA 2015)

Gewässerverschmutzung und Umweltprobleme in der Nidda (Interessengemeinschaft Nidda e.V.)

Chemische Messwerte (Nidda, Frankfurt-Nied) (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)

Biologisches Monitoring (Flussgebiete Hessen)

 

Freizeit

Die Nidda bietet abwechslungsreiche Erholungsmöglichkeiten: im Unterlauf gehört sie zum Naherholungsgebiet Grüngürtel der Metropole Frankfurt am Main, am Mittel- und Oberlauf befinden sich verschieden Wanderwege sowie die Möglichkeit per Kanu die Nidda zu erkunden. Radfahrer können auf dem Niddaradweg die Naturschönheiten von der Quelle bis zur Mündung entdecken.

Die Region entdecken und erleben (Gemeinnützige Wetterauer Archäologische Gesellschaft Glauberg GmbH)

Fluss-Info (Hessischer Kanu-Verband)

Regional Park RheinMain

Regionalpark Niddaroute

Nidda-Radweg (Stadt Nidda)

Nidda-Radweg (Land Hessen)

 

Umweltbildung

Um das Verständlichmachen der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Ökosystem Fluss bemüht sich die Umweltbildung. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist dies die Chance, frühzeitig den Wert der Natur und die Folgen des eigenen Handelns zu erkennen. Die spielerische Gewässergütebestimmung durch die Bestimmung von Kleinstlebewesen aus Bach und Fluss ist ein idealer Einstieg in die Welt der Forschung. Im Folgenden sind interessante Unterlagen für Groß und Klein gelistet, welche einen Zugang zum Ökosystem Gewässer und deren Renaturierung aufzeigen. 

Gewässergütebestimmung

Den Bach erforschen

Naturschule Hessen (Angebote zur Geschichte einer Landschaft für Klassen)